Neubau der Friesenbrücke Weener nach Schiffsunfall
 
Update 04.09.17 Friesenbrücke Weener
Finanzierung der pb+ Neubaulösung für die beschädigte „Friesenbrücke“ gesichert

Am 28.08.2017 hat das Bundesverkehrsministerium offiziell zugesagt, die Mehrkosten in Höhe von 20 Millionen Euro für einen mehr zukunftsorientierten Neubau der „Friesenbrücke“ statt eines 1:1-Ersatzes zu übernehmen. Nachdem ein Schiffsunfall im Dezember 2015 die „Friesenbrücke“ bei Weener zerstörte, favorisierte die DB Netz AG als Eigentümer der Eisenbahnbrücke zunächst einen kostengünstigen 1:1-Ersatz der geschädigten Bauteile. Parallel dazu entwickelte das Ingenieurbüro der Bahn eine kostenintensivere Neubauvariante der Rollklappbrücke. In beiden Entwürfen der Bahn sah die Meyer Werft die Belange der Schifffahrt zu wenig berücksichtigt und beauftragte die pb+ Ingenieurgruppe AG mit der Planung eines alternativen Entwurfs. Gegenüber der bahneigenen Neubauplanung einer Rollklappbrücke, gelang pb+ mit dem Entwurf einer Drehbrücke eine kostengünstige und technisch ausgereifte Neubaulösung, die neben einer breiteren Durchfahrt für große Schiffe auch Aspekte wie u. a. schnellere Taktung der Bahnstrecke, Zukunftsfähigkeit, Geh- und Radweg, Baukosten und Umwelteinflüsse berücksichtigt (siehe auch unteren pb+ Artikel).

Anfang Juni 2017 signalisierte der Bund in Verhandlungen mit Land, Region und DB Netz AG, dass er die Mehrkosten eines
Neubaus übernehmen würde. Die Teilnehmer der Runde entschieden sich daraufhin, den Drehbrücken-Entwurf der pb+Ingenieurgruppe AG weiter zu verfolgen. Mit der finanziellen Zusicherung aus Berlin ist nun der Weg für die Umsetzung der wirtschaftlichen und zukunftssicheren pb+ Neubaulösung frei, die 2024 fertiggestellt sein soll.

Presseartikel bei Fokus online:

http://www.focus.de/regional/niedersachsen/schifffahrt-spitzentreffen-soll-neubau-der-friesenbruecke-naeher-bringen_id_7520541.html


Juni 2017
Neubau der Friesenbrücke Weener nach Schiffsunfall

Seit einem Schiffsunfall im Dezember 2015 ist die „Friesenbrücke“ bei Weener zerstört, jetzt wurde nach längerer verantwortungsbewusster Abwägung der Neubau beschlossen


Die Bahnstrecke Ihrhove - Weener quert als eingleisige, nichtelektrifizierte Bahnstrecke die Ems bei Weener. Durch die Kollision eines Frachtschiffs mit der Rollklappbrücke im Dezember 2015 ist die Strecke unterbrochen, da Teile der Brücke zerstört wurden. Um den Eisenbahnverkehr auf der Brücke wieder zu ermöglichen, soll die Brücke teilweise neu gebaut und instandgesetzt werden.

Nach dem Unfall leitete die DB Netz AG, Bauherr und Eigentümer der Brücke, den Planungsprozess zum Aufbau der Brücke und Wiederinbetriebnahme der Bahnstrecke ein. Dabei wurde ein kostengünstiger 1:1-Ersatz der geschädigten Bauteile favorisiert. Die Belange der Schifffahrt (insbesondere die Anforderungen der MEYER WERFT) blieben unberücksichtigt.

Für die MEYER WERFT in Papenburg stellt die Eisenbahnüberführung über die Ems eine Engstelle dar. Zur Überführung von XXL-Schiffen mussten regelmäßig große Anstrengungen getätigt werden, um die Passage auf der Ems durchführen zu können. Beispielsweise musste ein ca. 50 m langer Überbau mittels Schwimmkran ausgehoben werden. Die Bahnstrecke war tagelang gesperrt.

Die MEYER WERFT GmbH & Co. KG beauftragte die pb+ ingenieurgruppe AG mit der Erarbeitung von alternativen Brückenlösungen mit großer Schifffahrtsöffnung, wie sie bereits weiter stromabwärts in Leer an der Jann-Berghaus-Brücke oder beim Emssperrwerk in Gandersum existierten. Da pb+ bereits seit 1994 mit der vorhandenen Klappbrücke in unterschiedlichen Aufgabenstellungen befasst war und zuletzt im Jahr 2016 auch bei der Erstellung des Schadensgutachtens nach der Havarie mitgewirkt hat, konnte pb+ als kompetenter Ansprechpartner mit vertieften Kenntnissen zur Friesenbrücke für die MEYER WERFT auftreten.


> Zum Referenzprojekt Friesenbrücke Weener [Link]

Im Zuge einer Variantenuntersuchung für verschiedene Brückensysteme mit großer Durchfahrtsbreite von 56,50 m, kristallisierte sich immer mehr eine Variante als Drehbrücke heraus. Mit ca. 131 m Gesamtlänge und zwei leicht asymmetrisch langen Dreharmen wäre die neue Friesenbrücke eine der längsten Drehbrücken Europas. Dabei vereint die Konstruktion nicht nur die zukunftsfähige Auslegung der Brücke für die Schifffahrt, auch die Belange des Schienenverkehrs können mit einem neuen regelkonformen Querschnitt und höheren Belastbarkeiten gegenüber dem fast 100-jährigen Bestand leicht umgesetzt werden. Zusätzlich werden mit einem mindestens 2,50 m breiten kombinierten Geh- und Radweg die Belange des nicht motorisierten Verkehrs berücksichtigt. Neben der direkten Erreichbarkeit der gegenüberliegenden Emsseite für Anwohner verbessert sich mit der neuen richtlinienkonformen Nutzbreite die über die Brücke verlaufende Radfernwegverbindung.


Gegenüber der von der Bahn und ihrem Ingenieurbüro parallel weiterentwickelten Variante „Große Rollklappbrücke“ konnte pb+ mit der Drehbrücke die kostengünstigere und technisch ausgereiftere Lösung erarbeiten und somit entscheidende Vorteile erzielen.


Anfang Juni 2017 konnte nach langwierigen Verhandlungen zwischen Bund, Land, Region und der DB Netz AG bekanntgegeben werden, dass der Bund die Mehrkosten der „großen Lösung" gegenüber dem 1:1-Ersatz tragen wird. Die Verhandlungen und Abwägungen wurden im Spannungsfeld der verschiedenen Aspekte, wie Verfügbarkeit der Strecke, Zukunftsfähigkeit, Baukosten, Bauzeit, Einflüsse auf die Umwelt etc. geführt. Gleichzeitig wurde festgehalten, dass eine Drehbrücke weiter verfolgt und umgesetzt werden soll.

Die pb+ Ingenieurgruppe AG hat mit Ihrer Planungsarbeit einen wichtigen Beitrag zur Unterstützung des Planungsziels für eine für alle zukunftsfähige Brücke geleistet. Sowohl die Schifffahrt als auch der Bahnverkehr werden auf Dauer mit der Drehbrücke von einer technisch zeitgemäßen Variante profitieren.

pb+ erarbeitete im Zuge der Vorplanung folgende Teilleistungen:

- Variantenuntersuchung für Brückensysteme mit großer Schifffahrtsöffnung
- Vorplanung der Variante „Drehbrücke“
- Ausarbeitung von Lösungsansätzen für die Konstruktion und den Bauablauf inkl. Kostenschätzung
- Statische Nachrechnung der Flusspfeiler zur Beurteilung der Tragfähigkeit auch für höhere Lasten
- Erarbeitung eines 3D-Modells als Grundlage für Visualisierungen
- Unterstützung bei Abstimmungen hinsichtlich der Finanzierung und der Genehmigungsfähigkeit

Animation: arvico auf Grundlage der 3D-Modellierung pb+
Visualisierung: arvico auf Grundlage der 3D-Modellierung pb+
arvico architecture-visualization-construction, Bremer Medienhaus, Schwachhauser Heerstr. 78, 28209 Bremen
  • Bestand: Fotoflug (Quelle Meyer-Werft)
  • Nach der Havarie
  • Nach der Havarie
  • Nach der Havarie - Zerstörtes Klappteil
  • Nach der Havarie - Gegengewicht auf Fahrbahn
  • Visualisierung: Friesenbrücke geschlossen (Quelle arvico)
  • Visualisierung: geschlossene Drehbrücke (Quelle arvico)
  • Visualisierung: geöffnete Drehbrücke (Quelle arvico)

Video